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Eine einmalige Dosis Psilocybin erhöht Offenheit und Achtsamkeit

Psychedelische Substanzen können selbst nach einmaliger Einnahme große und langanhaltende Effekte haben. Selbst chronische psychische Krankheiten, wie etwa Depressionen oder Traumata, konnten im Rahmen der psychedelischen Psychotherapie zuweilen nach nur einer oder wenigen psychedelischen Erfahrungen langanhaltend geheilt oder zumindest gelindert werden.

Eine Forschergruppe aus Dänemark um Martin Madsen und Professor Gitte Knudsen untersuchte nun, ob nach einer einmaligen Dosis Psilocybin sichtbare Veränderungen im Gehirn festzustellen sind und ob diese Veränderungen mit den berichteten Effekten zusammenhängen. Psychedelische Effekte im Gehirn werden u.a. durch den Serotonin-2A-Rezeptor (5-HT2A-Rezeptor) vermittelt, welcher sich besonders häufig in Gehirnregionen finden lässt, die für Emotions- und Gedächtnisfunktionen sowie das Ich-Empfinden zuständig sind. Die Wissenschaftler nutzten nun eine hochmoderne Gehirnscanmethode, um die Dichte dieser Rezeptoren vor und nach dem einmaligen Konsum von Psilocybin zu vermessen. Diese Messergebnisse wurden mit den Antworten der Probanden auf eine Reihe von Fragebögen verglichen, um mögliche Zusammenhänge zwischen Rezeptordichte und Persönlichkeitsmerkmalen aufzuzeigen.

Es fanden sich zehn gesunde und freiwillige Teilnehmer (vier Frauen, sechs Männer), welche für diese Studie zum ersten Mal in ihrem Leben eine psychedelische Substanz konsumieren wollten. Dabei wurden nur Menschen ohne psychedelische Vorerfahrungen zugelassen, damit mögliche Veränderungen in der Rezeptordichte möglichst klar beobachtet werden konnten.

Die Probanden füllten standardisierte Fragebögen zu ihren Persönlichkeitsmerkmalen aus und legten sich in einen PET-Gehirnscanner. Dort bekamen sie einen Stoff injiziert, welcher sich besonders stark an Serotonin-2A-Rezeptoren anlagert. Dieser Stoff enthielt Atome, die dem radioaktiven β+-Zerfall unterliegen, bei dem ein Positron (das Antimaterie-Teilchen des Elektrons) abgestrahlt wird. Wenn Antimaterie mit gewöhnlicher Materie kollidiert, verwandeln sich beide Teilchen in Licht. Dieses Licht wird im PET-Gehirnscanner gemessen und ist dort am intensivsten, wo sich der strahlende Stoff ansammelt – an den Serotonin-2A-Rezeptoren.

Einige Tage nach dem ersten Scan nahmen die Teilnehmer einzeln und unter fachlicher Begleitung mittlere bis hohe Dosen Psilocybin ein. Dazu hörten sie über Lautsprecher eine Musikauswahl, die von der Johns-Hopkins-Universität für psychedelische Sitzungen entwickelt wurde.

Eine Woche nach der Psilocybinerfahrung wurden alle Probanden erneut auf ihre Serotonin-2A-Rezeptordichte vermessen. Drei Monate später wurden zudem erneut Fragebögen zur Persönlichkeit ausgefüllt.

Die Fragebögen ergaben, dass die Teilnehmer nach ihrer einmaligen Psilocybinerfahrung noch ganze drei Monate signifikant höhere Werte für Offenheit und Achtsamkeit zeigten. Offenheit beschreibt hierbei die Toleranz gegenüber Unsicherheiten und die Freude an neuen Erfahrungen, während Achtsamkeit die geistige Klarheit und Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Augenblick beschreibt. Beide Werte korrelieren typischerweise mit geringerem Stress und Depression. Interessanterweise veränderte sich zwar die Anzahl der Serotonin-2A-Rezeptoren in den Gehirnen der einzelnen Teilnehmer, nicht jedoch in eine klare Richtung. Vielmehr blieb die Rezeptordichte bei einigen Probanden gleich, während sie bei anderen anstieg oder sich verringerte, so dass kein signifikanter Zusammenhang zur Psilocybineinnahme nachgewiesen werden konnte. Allerdings zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der Erhöhung der Achtsamkeit und der Verringerung der Serotonin-2A-Rezeptoren.

Die Autoren sehen in diesen Ergebnissen eine erfolgreiche Bestätigung, dass Psychedelika positive Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung haben können. Als erste Gruppe beschreiben sie nicht nur eine Erhöhung der Offenheit, sondern darüber hinaus eine signifikante Erhöhung der Achtsamkeit. Der genaue Zusammenhang zwischen der Psilocybineinnahme, den Serotonin-2A-Rezeptoren und der Persönlichkeitsänderung bleibt aber vorerst ein Rätsel.

Quelle: Martin Korsbak Madsen, Patrick MacDonald Fisher, Dea Siggaard Stenbaek, Sara Kristiansen, Daniel Burmeister, Szabolcs Lehel, Tomas Palenicek, Martin Kuchai, Claus Svarer, Brice Ozenne und Gitte M. Knudsen, A single psilocybin dose is associated with long-term increased mindfulness, preceded by a proportional change in neocortical 5-HT2A receptor binding, 2020, European Neuropsychopharmacology

Linus Naumann

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