Ethnobotanik
Stachelmohn, Goldmohn und Schlafmohn
Eschscholzia californica Foto: Joyce Cory Anzucht und Pflege Wie auch bei den anderen Mohngewächsen empfiehlt es sich, den Goldmohn ab April/Mai direkt an Ort und Stelle ins Freiland, in Töpfe, Balkonkästen oder als optisch sehr reizvollen Lückenfüller zwischen Gehwegplatten zu säen. Wird die Pflanze hingegen ab Februar im Haus vorgezogen, muss man beim Pikieren höchst vorsichtig sein: Die äußerst empfindliche Pfahlwurzel darf zu keinem Zeitpunkt frei liegen, sondern muss vollständig von Erde umhüllt sein. Das vorbereitete Einpflanzloch sollte man zuvor gründlich bewässern. Die Aussaattiefe der dunkelkeimenden Samen beläuft sich auf etwa 0,5 cm. Bei gleichbleibender Substratfeuchte und Temperaturen von 15–20 °C liegt die Keimdauer zwischen 1 und 3 Wochen. Wichtig ist, dass die Pflanze von Anfang an viel Sonne bekommt. Schatten verträgt der Goldmohn nämlich genauso wenig wie Staunässe. Daneben braucht es einen lockeren, tiefen und nährstoffarmen Boden. Ist der Boden lehmhaltig und «schwer», sollte unbedingt Sand untergemischt werden. Bei guten Wachstumsbedingungen ist der Goldmohn gegenüber einem Krankheits- oder Schädlingsbefall weitgehend unanfällig. Die Zufuhr eines Düngemittels ist weder in der Wachstumsnoch in der Blühphase erforderlich. Die Wasserzufuhr erfolgt alle 1–2 Tage in sparsamen Mengen. Papaver somniferum Linné Foto: Markus Berger Synonyme: Papaver glaucum Boiss . et Haussk n., Papaver nigrum DC ., Papaver officinale Gmel. u. a.Trivialnamen: Blaumohn, Echter Mohn, Feldmohn, Gartenmohn, Lichtschuppen, Magsomkraut, Mohn, Ölmohn, Pflanze der Freude, Schlafmohn, Speisemohn u. a. Vorkommen: Der Schlafmohn stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum sowie aus Kleinasien; als Kulturpflanze – häufig auch verwildert und eingebürgert – gedeiht die Pflanze inzwischen weltweit. Botanik: Schlafmohn wächst einjährig, erreicht eine Wuchshöhe von 30–150 cm und bildet eine charakteristische Pfahlwurzel aus. Die Blätter sind eiförmig, mehr oder minder gezähnt und von graublauer oder grüner Farbe. Die hübsche Blüte, die endständig auf wenig verzweigten und borstig behaarten Stängeln sitzt, ist meistens rotviolett, seltener weiß oder fast schwarz. Die kugelförmige Fruchtkapsel enthält bis zu 2000 Samenkörner. Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Kapseln, Milchsaft (Opium), Samen Wirkstoffe: Zentrale Hauptalkaloide sind Morphin, Papaverin und Codein, ferner Narcotin und Thebain und andere. Die Samen enthalten nur in sehr geringen Spuren Alkaloide. Wirkung: Analgetisch, aphrodisierend, euphorisierend, fantasieanregend, narkotisierend, sedierend, tranceinduzierend, gegebenfalls visionär. Ethnobotanik: Der Schlafmohn gehört zu den ältesten Heilpflanzen der Menschheit; unter ihnen ist er das bedeutendste Schmerzmittel der gesamten Pharmaziegeschichte. Daneben ist Papaver somniferum als psychoaktive und trancebegünstigende Ritualpflanze relevant, so zum Beispiel in Indien und Nordthailand. Im alten Griechenland wurde das aus der Pflanze gewonnene Opium im Rahmen von Fruchtbarkeits-, Liebes- und Opferritualen als Räucherwerk verwendet. Papaver-Zuchtform für den Garten Foto: Louise Joly Anzucht und Pflege Die Anzucht sowie die Pflege des Schlafmohns sind unkompliziert und anfängersicher; man bedenke, dass der Schlafmohn in Mitteleuropa auch in Wildform gedeiht. Die Samen sind lichtkeimend und brauchen daher nicht mit Substrat bedeckt zu werden; sie werden einfach ab April/Mai an Ort und Stelle ausgesät, entweder ins vorbereitete Beet oder in hohe Kübel. Bei Temperaturen von 15–20 °C und ausreichend Feuchtigkeit keimen die Samen innerhalb von 1–2 Wochen. Entscheidet man sich für eine Kultur im Blumenbeet, muss berücksichtigt werden, dass die meisten ausgesäten Samen höchstwahrscheinlich von Vögeln aufgepickt werden. Als Präventionsmaßnahme eignet sich beispielsweise ein schützendes Netz, das über der Aussaatstelle aufgestellt oder aufgespannt werden muss. Bei zu dicht stehenden Keimlingen muss man etwas ausdünnen bzw. einzelne Keimlinge entfernen, da sich die Pflanzen ansonsten im Wachstum behindern und folglich sehr klein bleiben. Die krustigen Erdbereiche um die Pflanze herum müssen regelmäßig aufgelockert und in der Nähe heranwachsende andere Pflanzen zeitnah gejätet werden, damit sie die jungen Mohnpflanzen nicht überwuchern und schädigen. Entscheidet sich der Gärtner für eine Topfkultur, braucht es aufgrund der langen Pfahlwurzel unbedingt einen hohen und durchlässigen Topf. Als Substrat eignet sich selbstgemischte oder handelsübliche Blumenerde. Mohnfelder bereichern ihre Umgebung mit einem Meer aus Blüten. Foto: Welleschik / CC-BY SA 3.0 Ob nun Beet- oder Topfkultur, der Schlafmohn benötigt immer einen vollsonnigen Standort mit nährstoffreichem sowie durchlässigem Boden und muss während der Wachstumsperiode täglich gegossen werden. Sobald die Pflanze in die Blüte geht, kann die Wasserzufuhr reduziert werden – kleine Mengen alle 2–3 Tage sind völlig ausreichend. Die Zufuhr eines Düngemittels ist nicht nötig, vorausgesetzt, dass der Boden das benötigte Minimum an Nährstoffen enthält, was üblicherweise der Fall ist. Wird der Schlafmohn von Mohnbrand oder Wurzelfäulnis heimgesucht, liegt das meist an einem falsch gewählten Standort oder unsachgemäßer Pflege. Potenzielle Schädlinge von P. somniferum sind Blattläuse, Mehltau und Schnecken. Der Anbau des Schlafmohns unterliegt in Deutschland der Genehmigungspflicht. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass ein paar wenige Pflanzen, die aus ethnobotanischem Interesse und nicht zu Heil- oder Rauschzwecken im Garten kultiviert werden, in aller Regel geduldet werden. Schließlich gedeiht die Pflanze auch heute noch in zahlreichen Bauerngärten.
Ausgewählte Bezugsquellen für Mohn-Saatgut: Asklepios Seeds • Azarius • Magic Garden Seeds • Rühlemanns
Mohnsamen gibt es sogar im Supermarkt, allerdings ohne
Morphine. Foto: Pixabay PRAXISTIPP MOHNSAMEN-ERNTE Wenn sich auf dem Deckel der Samenkapsel kleine Löcher bilden, dann ist der Reifeprozess abgeschlossen und die Samen können geerntet werden. Für kleine Mengen wird einfach der Deckel vorsichtig entfernt, worauf die Samen mit den Fingern aus dem Inneren der Kapsel herausgenommen werden können. Bei größeren Mengen empfiehlt es sich, die Stängel in einer Länge von etwa 25 cm abzuschneiden, zu bündeln und über einem Auffangbehältnis fest auszuschütteln. Kevin Johann


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