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Pflanzenporträt: Stechapfel (Datura stramonium)

Datura stramonium
Mit der Reihe "Der Samstag im Schatten der Nacht" präsentieren wir euch jeden Samstag ein Pflanzenportrait zu einem psychoaktiven Nachtschattengewächs. Freut euch auf kurze und bündige, interessante Informationen und Kurioses rund um die weltweit geliebten (und zurecht respektierten) "Nightshade plants".

Trivialnamen: Devil's weed, Jimson weed (abgeleitet von "Jamestown weed"), Dornapfel, Stachelnuss, Schlafkraut, Kratzkraut, Tollkraut

Vorkommen: Amerika, Himalaya, Nordafrika, Mitteleuropa (auch Deutschland), Südeuropa, Orient, an Wald- und Wegrändern, auf Lichtungen und Feldern

Der gemeine Stechapfel ist aufgrund seiner deliranten Wirkung berühmt und berüchtigt. Wie viele psychoaktive Pflanzen aus der Familie der Solanaceae (Nachtschattengewächse) induziert er lange Räusche, die zuweilen mit Bewusstlosigkeit enden (Schultes et Hofmann 1998: 111). Oft sind sie dominiert von Trugbildern, die nicht von der Wirklichkeit zu unterscheiden sind (echte Halluzinationen). Neben anderen Anwendungen werden die dem stacheligen Fruchtkörper entnommenen Samen in getrocknetem Zustand geraucht oder gegessen, die Blätter und Blüten können in getrocknetem Zustand geraucht werden. In Kulturen weltweit spielt(e) Datura eine Rolle, beispielsweise bei diversen schamanischen Naturvölkern und bei den Sinti und Roma.

!! ACHTUNG !! Hofmann und Schultes schreiben, dass "Überdosen zu dauernder Geistesgestörtheit oder zum Tode führen " (Schultes et Hofmann 1998: 111). Daher ist höchste Vorsicht angeraten. Wir empfehlen, auf den Konsum von Stechapfel zu verzichten und raten sogar ausdrücklich davon ab.

In der gesamten Pflanze finden sich Tropeine (Tropanalkaloide) in schwankender Konzentration. Zu den Wirkstoffen gehören unter anderem Scopolamin und Hyoscyamin, Apoatropin, Belladonin, Hyoscyamin-N-Oxyd und Tropin. Die Blätter enthalten 0,25 bis 0,5 %, die Wurzeln 0,18 bis 0,22 % Wirkstoffe. In der Blüte konnten bis zu 0,61 %, in den Samen bis zu 0,66 % Alkaloid nachgewiesen werden. In der Trockenmasse der Blätter und Samen finden sich 0,1 bis 0,6 % Alkaloid.

Bei Einnahme bzw. Überdosierung treten desweiteren häufig typische Vergiftungssymptome auf. Nebenwirkungen wie Ataxie, Atembeschleunigung, Aggression und andere affektive Störungen sowie Bewegungs- und Koordinationsbeeinträchtigungen sind keine Seltenheit. Meistens wird von extremer Mundtrockenheit berichtet. Es treten Halluzinationen auf, die täuschend echt sind und nicht als Illusionen wahrgenommen werden können. Der Inhalt dieser Trugbilder reicht von der simplen An- oder Abwesenheit normaler Mitmenschen hin zum Kontakt mit außerweltlichen Wesen (Dämonen, Succuben und Inkuben etc.). Auch Euphorie und sexuelle Erregung zählen zum Wirkungsspektrum.

Erfahrungsberichte mit diversen Nachtschattengewächsen, u.a. auch mit dem Stechapfel, finden sich im Buch "Psychedelische Tomaten" von Berger, Liggenstorfer und Rätsch: https://nachtschatten.ch/products/product_1382.html

Weitere Tripberichte auf Erowid können einen interessanten Eindruck für die subjektive Erfahrung der Stechapfelsamenwirkung vermitteln.

Vielfältige Informationen rund um den Stechapfel und die verwandte Engelstrompete finden sich im Buch "Stechapfel und Engelstrompete - Ein halluzinogenes Schwesternpaar" von Markus Berger: https://nachtschatten.ch/products/product_0463.html

Bildquellen : Quelle 1 | Quelle 2 | Quelle 3 | Archiv Berger

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