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Natur

Ethnobotanik

Afrikas halluzinogene Pflanzen traditionell weit verbreitet genutzt

Fachartikel von Giorgio Samorini

Die traditionelle Nutzung halluzinogener Pflanzen in Afrika ist nach Einschätzung des Ethnobotanikers Giorgio Samorini deutlich umfangreicher, als es der Forschungsstand lange vermuten ließ.
Ethnobotanik Afrika
Afrikas halluzinogene Pflanzen traditionell weit verbreitet genutzt - Fachartikel von Giorgio Samorini
Afrikas halluzinogene Pflanzen traditionell weit verbreitet genutzt als Hörbeitrag

In seinem Fachartikel The traditional use of hallucinogenic plants in Africa argumentiert Samorini, dass das über Jahrzehnte angenommene Ungleichgewicht zwischen dem Wissen über psychoaktive Pflanzen der Alten und der Neuen Welt vor allem auf ungleiche Forschungsintensität zurückzuführen sei – nicht auf grundsätzliche kulturelle Unterschiede.

Während ethnobotanische Untersuchungen zu psychoaktiven Pflanzen in den traditionellen Kulturen Amerikas seit dem 20. Jahrhundert intensiv betrieben wurden, sei Afrika vergleichsweise wenig erforscht worden. Erst in den vergangenen Jahrzehnten habe die Forschung eine Vielzahl traditioneller Anwendungen psychoaktiver Pflanzen auf dem Kontinent dokumentiert. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich dabei auf halluzinogene Pflanzen.

Diese werden laut Samorini vor allem in Besessenheitskulten eingesetzt – sowohl in adorzistischen als auch in exorzistischen Ritualen – und häufig zu therapeutischen Zwecken. Beispiele sind der Bori-Kult der Hausa in Niger sowie weibliche Initiationsriten der Tsonga in Mosambik.

Darüber hinaus dienen halluzinogene Pflanzen religiösen Praktiken zur Kontaktaufnahme mit Ahnengeistern oder göttlichen Wesen, etwa im Byeri-Kult der Fang oder in den Iboga-Kulten Westäquatorialafrikas. Weitere Anwendungsfelder sind Wahrsagerituale, bei denen mutmaßliche Verursacher von Hexerei identifiziert werden sollen, beispielsweise in den Misoko-Praktiken der Mitsogho in Gabun oder bei den Sangoma in Südafrika. Außerdem beschreibt Samorini den Einsatz als eine Art „Wahrheitsserum“ im Rahmen traditioneller oder institutioneller Gerichtsverfahren, etwa beim leba shay im historischen Abessinien.

Samorini kommt zu dem Schluss, dass die ethnobotanische Bedeutung halluzinogener Pflanzen in Afrika lange unterschätzt wurde und die Forschung der vergangenen Jahrzehnte dazu beiträgt, diese Wissenslücke zwischen der Alten und der Neuen Welt zu schließen.

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