Hanf
Mehr Drogentote durch Cannabis-Entkriminalisierung?
FAZ-Kommentar stellt kruden Zusammenhang her
In einem Kommentar unter der Überschrift „Mehr Drogentote – Das Cannabis-Gesetz gehört abgeschafft“ verknüpft FAZ-Redakteur Thomas Jansen den Anstieg der Drogentodesfälle mit der Cannabisreform.
Als Beleg führt er an, dass sich die Zahl der Drogentoten unter 20 Jahren seit 2021 – dem Jahr, in dem die Ampel-Koalition die teilweise Legalisierung von Cannabis ankündigte – verdoppelt habe. Daraus leitet er die Forderung ab, das Cannabisgesetz wieder abzuschaffen.
Der Kommentar stellt damit einen Zusammenhang zwischen der Cannabisreform und den gestiegenen Drogentodeszahlen her, ohne einen belastbaren Nachweis für einen ursächlichen Zusammenhang zu liefern. Die zeitliche Parallelität zweier Entwicklungen belegt für sich genommen sowieso keine Kausalität. Hinzu kommt, dass Cannabis nicht geeignet ist, die Entwicklung der Drogentodeszahlen zu erklären. Die amtliche Drogentodesstatistik wird seit Jahren vor allem durch Opiate, synthetische Opioide, Kokain, Crack sowie Mischkonsum geprägt. Todesfälle infolge einer Überdosierung von Cannabis kommen ohnehin schlichtweg nicht vor. Besonders pikant: Alkohol, Tabak und die gängigen Psychopharmaka werden hier überhaupt nicht berücksichtigt, obwohl der schädliche Konsum dieser Drogen zu den häufigsten Todesursachen gehört.
Jansen verweist zudem auf neue Risiken durch synthetische Drogen und über das Internet verfügbare Substanzen. Diese Entwicklungen sind zweifellos besorgniserregend, stehen jedoch nicht in einem nachgewiesenen ursächlichen Zusammenhang mit der Cannabisreform. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Wäre Cannabis vollumfänglich legalisiert - inklusive Verkaufsstellen - wäre niemand mehr auf diese neuartigen synthetischen Substanzen angewiesen. Die unsachgemäße Forderung, das Cannabisgesetz als Reaktion auf den Anstieg der Drogentodesfälle zurückzunehmen, stützt sich daher eher auf eine politische und ideologische Bewertung als auf einen belegten kausalen Zusammenhang.
Gerade weil Cannabis nicht zu den Substanzen gehört, die für tödliche Überdosierungen verantwortlich sind, erscheint die Verknüpfung von Cannabisgesetz und Drogentodesstatistik in diesem Kommentar als argumentative Zuspitzung. Kritiker dürften darin eine populistische Argumentationsfigur sehen, bei der zwei unterschiedliche Entwicklungen miteinander verbunden werden, ohne dass dafür belastbare Evidenz angeführt wird.


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