Lucys Mix
Coca-Plantagen in Peru
Thatcher-Regierung plante Motten-Einsatz zur Vernichtung
Im Mittelpunkt stand Eloria noyesi, deren Larven sich auf Koka spezialisiert haben. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Raupen obligat von Koka (Erythroxylum coca) fressen. Bemerkenswert ist dabei ihre Toleranz gegenüber dem in den Blättern enthaltenen Kokain: Die Tiere scheiden den aufgenommenen Stoff größtenteils als unveränderte Kokainbase wieder aus.
Die Idee bestand darin, die natürlichen Eigenschaften der Motte für eine biologische Bekämpfung illegaler Kokaplantagen zu nutzen. Britische Wissenschaftler sollten ein Verfahren entwickeln, mit dem sich die Tiere in großer Zahl vermehren ließen. Anschließend war vorgesehen, die Motten beziehungsweise ihre Puppen nach Peru zu transportieren und über Anbaugebieten auszusetzen. Die Larven sollten die Kokapflanzen schädigen und dadurch die Erträge der illegalen Plantagen reduzieren.
Nach den jetzt bekannt gewordenen Unterlagen wurden für die Entwicklung des Projekts rund 100.000 Pfund bereitgestellt. Thatcher wurde 1989 persönlich über den Vorschlag informiert und hielt ihn offenbar für interessant genug, um weiterverfolgt zu werden. In den damaligen Überlegungen wurde die Motte wegen ihrer Spezialisierung auf Koka bildhaft sogar mit einer „intelligenten Bombe“ von sehr kurzer Reichweite verglichen.
Die Idee kam nicht völlig aus dem Nichts. Eloria noyesi gilt als einer der natürlichen Schädlinge der Kokapflanze. Ein US-Regierungsbericht aus der damaligen Zeit beschreibt die Larven als besonders bedeutenden natürlichen Feind der Koka und berichtet, dass wiederholter Befall einen Kokastrauch abtöten könne.
Trotz der Unterstützung aus London wurde das Vorhaben letztlich nicht umgesetzt. Zu den Problemen gehörten die Finanzierung, die politische Situation in Peru, Sicherheitsfragen für die beteiligten Personen sowie Zweifel an den möglichen ökologischen Folgen. Auch die erwartete Wirkung wurde offenbar als begrenzt beziehungsweise vorübergehend eingeschätzt.
Ein ähnlicher Ansatz wurde 2015 in Kolumbien erneut diskutiert. Nachdem das Land den Einsatz von Glyphosat zur Bekämpfung von Kokaplantagen beendet hatte, wurde Eloria noyesi als mögliche biologische Alternative ins Gespräch gebracht. Auch dieser Plan wurde jedoch nicht umgesetzt.
Der historische Vorgang ist damit weniger ein Beispiel für die Entwicklung einer „Waffe“ im technischen Sinn als für einen ungewöhnlichen Versuch, einen natürlichen Fraßfeind der Kokapflanze gezielt zur Bekämpfung illegaler Drogenproduktion einzusetzen.


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