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Kultur

Shiva – Der Gott des Rauschs

Kevin Johann
Auszug aus dem Heft «Er ist der einzige Gott im ganzen Götterpantheon, der immer high ist.» Wolf-Dieter Storl Im hinduistisch geprägten Indien sowie in Nepal ist er allgegenwärtig – auf Gemälden, Skulpturen sowie in Form riesiger Statuen und anderer Kunstwerke. Auch in menschlicher Gestalt kann man ihm dort begegnen, vor allem in Gestalt der Sadhus, der heiligen Männer. Hierzulande läuft man ihm bevorzugt auf Psytrance-Partys, im Esoterikladen, in Yoga-Kursen oder bei Hanfliebhabern über den Weg. Die Rede ist von Shiva, dem kosmischen Zerstörer, der zusammen mit Brahma, dem Schöpfer, und Vishnu, dem Bewahrer, die göttliche Trinität des Hinduismus (Trimurti) verkörpert. Shiva ist jedoch weitaus mehr als nur der faule, mit Asche beschmierte Kiffer, der mit erigiertem Glied durch die Universen streift und Frauenherzen zum Schmelzen bringt, wie es viele Mythen und Geschichten erzählen. Letztlich verkörpert Shiva das unfassbare Mysterium, das allem Sein zugrunde liegt. Er ist das allem Leben innewohnende wahre Selbst. Er ist Alles und gleichzeitig auch Nichts. Weniger abstrakt lässt sich Shiva als symbolische Darstellung eines höheren Bewusstseinszustands verstehen – als Urbild der kosmischen All-Einheit, die potenziell jeder Mensch erfahren kann und in der die illusorischen Grenzen zwischen Ich und Du, ja manchmal sogar die Grenzen zwischen Leben und Tod aufgehoben werden. Ein Zustand also, der Darshana (das Sehen des Göttlichen) ermöglicht, wie es die Hindus sagen würden, und den man durch rituelle Praktiken wie Meditation, Yoga oder die Einnahme psychoaktiver Substanzen herbeiführen kann. Es verwundert nicht, dass der göttliche «Dreadhead» sehr häufig als Ur-Schamane sowie als Ur-Yogi oder Mahayogi (großer Yogi) bezeichnet und darüber hinaus mit psychoaktiven Gewächsen assoziiert wird, vor allem mit Hanf (Cannabis sativa), dem Stechapfel (Datura metel) und ferner auch mit dem Schlafmohn (Papaver somniferum). Shiva bedeutet übersetzt aus dem Sanskrit soviel wie «der Gütige», «der Gnadenvolle» oder «der Freundliche». Darüber hinaus besitzt er noch eine Vielzahl an weiteren Namen und Manifestationsformen. Zum Beispiel ist er auch Nataraja («der kosmische Tänzer»), dessen Tanz den unaufhörlichen Schöpfungsakt symbolisiert, den Dämon der Unwissenheit zerstört und die Hüllen des menschlichen Egos, also des individuellen Ich-Konstrukts, zum Platzen bringt. Nataraja trägt in einer Hand eine Den ganzen Artikel kannst du im Magazin Lucy’s Rausch Nr. 1 lesen. Hier bestellen.
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