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Kultur

R.I.P., Jochen Gartz

Ruhe in Frieden, Jochen Gartz (1. Oktober 1953 – 15. Oktober 2020)
Foto: C. Müller-Ebeling 2004

Dr. habil. Jochen Ernst Friedrich Gartz, ein Pionier der Erforschung psychoaktiver Pilze, ist am 15. Oktober 2020 im Alter von 67 Jahren seinem erst seit Kurzem diagnostizierten Krebsleiden erlegen. Jochen Gartz lebte in Leipzig und war Chemiker und Mykologe. Als Wissenschaftler erforschte er im Auftrag der Deutschen Demokratischen Republik die psychotropen Pilze und andere bewusstseinsverändernde Substanzen.

Diese Karriere nahm nach der Wiedervereinigung Ost- und Westdeutschlands ihr jähes Ende, Gartz forschte und wirkte fortan als Teil der psychedelischen Gemeinschaft. Im Rahmen seiner leidenschaftlich ausgeübten Tätigkeit entdeckte und beschrieb er verschiedene Psilocybin-bildende Pilzarten, die zuvor unbekannt gewesen waren, so den aus Amerika stammenden Psilocybe azurescens Stamets et Gartz, die südafrikanische Art Psilocybe natalensis Gartz, Reid, Smith et Eicker und erst 2014 die neue deutsche Art Psilocybe germanica Gartz et Wiedemann.

Jochen Gartz und Markus Berger 2011 in Leipzig. Foto: Jutta Berger

Jochen verfasste ungezählte Schriften, Bücher und Artikel, wie z.B. das weltweit vielbeachtete Werk über psychotrope Pilze „Magic Mushrooms around the World“, das als erstes Buchwerk systematisch die Welt der bis dahin bekannten psychotropen Pilze aufschlüsselte und so manches Geheimnis des Untergrunds erstmals in einer öffentlich zugänglichen Schrift offenbarte. Das Buch ist im Nachtschatten Verlag unter dem Titel „Narrenschwämme“ auf Deutsch erschienen. Weitere Publikationen aus der Feder von Jochen Gartz sind das „PilzZuchtBuch“ (unter dem Pseudonym Sam Lanceata und zusammen mit dem ebenfalls verstorbenen Bert Marco Schuldes) sowie „Psychedelika historisch betrachtet“ und „Psilocybin“ (Arnshaugk Verlag), „Halluzinogene im Sozialismus“, „Halluzinogene in historischen Schriften“, „Psilocybin-Pilze“,  „Salvia divinorum - Die Wahrsagesalbei“ und das Postkarten-Bestimmungs-Set „Psychoaktive Pilze“ (alle Nachtschatten Verlag).

Jochen Gartz war u.a. außerdem engagiertes Mitglied der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) und des Europäischen Collegiums für Bewusstseinsstudien (ECBS) und organisierte selbst ein ECBS-Symposium in Leipzig, das am 30. Mai 1997 stattgefunden hatte.

Darüber hinaus befasste sich Jochen mit weiteren seiner lebenslangen Leidenschaften, so mit Spreng- und Explosivstoffen sowie mit den heilkräftigen Eigenschaften des Wasserstoffperoxids. Auch zu diesen Themen publizierte er zahlreiche Bücher und Artikel. Seine Bücher über Wasserstoffperoxid (Mobiwell Verlag) sind echte Kassenschlager im Bereich der Gesundheitskunde.

Jochen Gartz ging plötzlich und unerwartet von uns, war doch sein Krebsleiden ihm selbst bis zum September 2020 unbekannt gewesen.

Wir werden Dich schmerzlich vermissen, lieber Jochen. Als Autor und Freund. Ruhe in Frieden.

Markus Berger und Roger Liggenstorfer für das gesamte Nachtschatten-Team

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