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LSD auf dem Land

LSD, das legendäre Psychedelikum aus dem Labor des Schweizer Naturstoffchemikers Albert Hofmann, wird als Teilsynthetikum aus Mutterkornalkaloiden des Mutterkornpilzes Claviceps purpurea hergestellt. Für die Gewinnung des parasitären Mutterkornpilzes und die daraus folgende Produktion von LSD durch den Arzneimittelhersteller Sandoz wurde von 1939 bis in die 70er Jahre hinein großflächig Roggen in der Schweiz angebaut. Denn dieses Getreide ist eine geeignete Wirtspflanze für den Pilz. Vom Roggenanbau für die Acidherstellung handelt das Buch "LSD auf dem Land - Produktion und kollektive Wirkung psychotroper Stoffe" des Autors Beat Bächi. In einem Audiobeitrag des Deutschlandfunks berichtet Bächi über sein Werk und über den massenhaften Anbau des Mutterkornpilzes in der Schweiz. Das Buch von Beat Bächi stellt nicht abermals die hinlänglich bekannten Orte und Akteure – Harvard, San Francisco oder Timothy Leary – ins Scheinwerferlicht. Stattdessen nimmt es seinen Anfang beim Anbau des Mutterkorns im Emmental und im Luzerner Hinterland und setzt deutlich früher ein als die geläufigen Hippie-Erzählungen. Der Weg von den Schweizer Äckern über die Laboratorien des Chemie-Unternehmens Sandoz hin zur Psychiatrie und in die Gegenkultur ist weit und erklärungsbedürftig. Um als Hoffnungsträger einer antikapitalistischen Bewegung wirken zu können, musste der Stoff erst mit mexikanischen Zauberpilzen in Kontakt treten, die als »Fleisch der Götter« der Azteken gehandelt wurden. Bei der Verwandlung dieser Zauberpilze in die chemische Substanz Psilocybin spielten Staudammprojekte, indigene Gemeinschaften, Anthropologen, Missionarinnen, Flugzeuge, Lasttiere und Banker eine zentrale Rolle. Im Zentrum von »LSD auf dem Land« stehen die Verflechtungen zwischen der Praxis der Mutterkornkultur in der Schweiz mit der anthropologischen, missionarischen, linguistischen, biologischen und mykologischen Feldarbeit in der Sierra Mazateca. Erst die Fokussierung auf die Produktionsgeschichte und die Materialität dieser Stoffe macht deutlich, wie wandelbar Psychotropen waren und immer noch sind: als Heilmittel in der Psychiatrie, als indigene Medizin, als Hippie-Drogen oder auch als militärische Kampfstoffe. Verlagsbeschreibung Beat Bächi LSD auf dem Land – Produktion und kollektive Wirkung psychotroper Stoffe Konstanz University Press 2020 29,90 Euro Den Beitrag auf Deutschlandfunk hören Das Buch kaufen
9783835391253l
LSD auf dem Land
LSD, das legendäre Psychedelikum aus dem Labor des Schweizer Naturstoffchemikers Albert Hofmann, wird als Teilsynthetikum aus Mutterkornalkaloiden des Mutterkornpilzes Claviceps purpurea hergestellt. Für die Gewinnung des parasitären Mutterkornpilzes und die daraus folgende Produktion von LSD durch den Arzneimittelhersteller Sandoz wurde von 1939 bis in die 70er Jahre hinein großflächig Roggen in der Schweiz angebaut. Denn dieses Getreide ist eine geeignete Wirtspflanze für den Pilz. Vom Roggenanbau für die Acidherstellung handelt das Buch "LSD auf dem Land - Produktion und kollektive Wirkung psychotroper Stoffe" des Autors Beat Bächi. In einem Audiobeitrag des Deutschlandfunks berichtet Bächi über sein Werk und über den massenhaften Anbau des Mutterkornpilzes in der Schweiz.
Das Buch von Beat Bächi stellt nicht abermals die hinlänglich bekannten Orte und Akteure – Harvard, San Francisco oder Timothy Leary – ins Scheinwerferlicht. Stattdessen nimmt es seinen Anfang beim Anbau des Mutterkorns im Emmental und im Luzerner Hinterland und setzt deutlich früher ein als die geläufigen Hippie-Erzählungen. Der Weg von den Schweizer Äckern über die Laboratorien des Chemie-Unternehmens Sandoz hin zur Psychiatrie und in die Gegenkultur ist weit und erklärungsbedürftig. Um als Hoffnungsträger einer antikapitalistischen Bewegung wirken zu können, musste der Stoff erst mit mexikanischen Zauberpilzen in Kontakt treten, die als »Fleisch der Götter« der Azteken gehandelt wurden. Bei der Verwandlung dieser Zauberpilze in die chemische Substanz Psilocybin spielten Staudammprojekte, indigene Gemeinschaften, Anthropologen, Missionarinnen, Flugzeuge, Lasttiere und Banker eine zentrale Rolle. Im Zentrum von »LSD auf dem Land« stehen die Verflechtungen zwischen der Praxis der Mutterkornkultur in der Schweiz mit der anthropologischen, missionarischen, linguistischen, biologischen und mykologischen Feldarbeit in der Sierra Mazateca. Erst die Fokussierung auf die Produktionsgeschichte und die Materialität dieser Stoffe macht deutlich, wie wandelbar Psychotropen waren und immer noch sind: als Heilmittel in der Psychiatrie, als indigene Medizin, als Hippie-Drogen oder auch als militärische Kampfstoffe. Verlagsbeschreibung  
Beat Bächi LSD auf dem Land – Produktion und kollektive Wirkung psychotroper Stoffe Konstanz University Press 2020 29,90 Euro Den Beitrag auf Deutschlandfunk hören Das Buch kaufen
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