Psilocybin-Einnahme geht bei Alzheimer-Patientin mit zeitweiligen Funktionsgewinnen einher
Ein interessanter Fallbericht
Forschende aus Brasilien berichten in einem veröffentlichten Fallbericht über eine ungewöhnliche Beobachtung bei einer Frau mit fortgeschrittener Alzheimer-Erkrankung. Nach der Verabreichung psilocybinhaltiger Pilze seien bei der Patientin vorübergehend Verbesserungen in verschiedenen Alltagsfunktionen aufgetreten. Die Autoren betonen jedoch, dass die Beobachtung auf einem einzelnen Fall beruht und keine Aussagen über die Wirksamkeit von Psilocybin als Therapie zulässt.
Die in Frontiers in Neuroscience publizierte Arbeit beschreibt den Fall einer über 80-jährigen Frau, die seit etwa zehn Jahren an Alzheimer litt. In den Jahren vor der Intervention war ihre Erkrankung von stark eingeschränkter Sprachfähigkeit, Inkontinenz, Mobilitätsproblemen sowie erheblicher Pflegebedürftigkeit geprägt.
Im Rahmen einer nicht kontrollierten Beobachtung erhielt die Patientin eine einmalige Dosis von fünf Gramm psilocybinhaltigen Pilzen. Während der unmittelbaren Wirkung wurden starkes Schwitzen, ein Verdacht auf Fieber sowie ein längerer schlafähnlicher Zustand beschrieben. Rund 19 Stunden später begann die Frau laut den Autoren unerwartet, ausführlich über persönliche Erinnerungen zu sprechen.
In den darauffolgenden Tagen registrierten Angehörige und Betreuende weitere Veränderungen. Dem Bericht zufolge zeigte die Patientin mehr Eigeninitiative, bewegte sich selbstständiger und beteiligte sich stärker an Gesprächen. Auch die emotionale Reaktionsfähigkeit nahm zu. Besonders bemerkenswert sei die Beobachtung gewesen, dass die zuvor über Jahre bestehende Harninkontinenz zeitweise ausblieb.
Da einige der beobachteten Veränderungen anhielten, erfolgte etwa einen Monat später eine zweite überwachte Sitzung mit einer niedrigeren Dosis von drei Gramm. Nach Angaben der Autoren wurden dabei erneut eine lebhaftere Kommunikation, mehr Mimik und eine bessere Beweglichkeit festgestellt.
Die Wissenschaftler weisen zugleich auf erhebliche methodische Grenzen hin. Es handelt sich um einen Einzelfall ohne Kontrollgruppe, standardisierte Testverfahren oder objektive Biomarker. Zudem wurde die Alzheimer-Diagnose ausschließlich anhand des klinischen Krankheitsverlaufs gestellt. Andere Formen oder Mischformen neurodegenerativer Erkrankungen können daher nicht sicher ausgeschlossen werden.
Nach Ansicht der Autoren liefert der Bericht keinen Beleg für eine Rückbildung der Alzheimer-Erkrankung. Vielmehr könne der Fall als Hinweis darauf dienen, dass bei einigen Betroffenen möglicherweise noch funktionelle Reserven vorhanden sind, die unter bestimmten Bedingungen vorübergehend aktiviert werden könnten. Ob und in welchem Umfang Psilocybin dabei eine Rolle spielt, müsse jedoch erst in kontrollierten wissenschaftlichen Studien untersucht werden.
Die Autoren verweisen darauf, dass bisher nur sehr wenige klinische Daten zum Einsatz von Psilocybin bei fortgeschrittener Demenz vorliegen. Entsprechend verstehen sie ihre Veröffentlichung vor allem als Ausgangspunkt für weitere Forschung.


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