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LSD: Hinweise auf neuronale Plastizität
Neue Erkenntnisse zu Gehirnsignalen und Gedächtnisbildung
Während Laborversuche mit Tieren schon länger darauf hindeuteten, dass die Substanz die Anpassungsfähigkeit des Nervensystems (Plastizität) nachhaltig stimulieren kann, fehlte es bislang an verlässlichen Daten aus humanwissenschaftlichen Studien. Ein Forschungsteam hat diese Lücke nun geschlossen und die Auswirkungen einer Einmaldosis von 100 Mikrogramm LSD an 45 gesunden Testpersonen im Rahmen eines randomisierten, placebokontrollierten Crossover-Designs analysiert.
Die Probanden wurden über einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen nach der Substanzgabe engmaschig untersucht. Dabei kamen unter anderem neurophysiologische Messverfahren wie die Elektroenzephalografie (EEG) und die transkranielle Magnetstimulation (TMS) zum Einsatz. Zudem wurden biologische Marker im Blut bestimmt sowie die Fähigkeit zur Verfestigung neu erlernter Handlungsabläufe anhand einer motorischen Tippaufgabe überprüft. Psychologische Fragebögen erfassten außerdem das Stressniveau und die geistige Flexibilität.
Die Auswertungen zeigen deutliche Effekte auf das Gedächtnis: Bereits 24 Stunden nach der LSD-Gabe schnitten die Teilnehmenden bei der Aneignung neuer Bewegungsfolgen signifikant besser ab. Bemerkenswert ist, dass diese Steigerung beim sogenannten „Offline-Lernen“ stattfand. Das bedeutet, dass die Leistungszuwächse ohne zusätzliches aktives Üben in den dazwischenliegenden Ruhe- oder Schlafphasen generiert wurden – das Gehirn speicherte die Bewegungen im Hintergrund also effektiver ab. Auch nach einer Woche waren noch psychische Veränderungen spürbar; die Probanden litten unter weniger Stress und zeigten in bestimmten Teilbereichen eine erhöhte kognitive Flexibilität.
Die funktionellen Veränderungen ließen sich auch direkt im Nervensystem nachweisen. In den EEG-Aufzeichnungen dämpfte LSD akut die Amplituden bestimmter akustischer Signale (N1- und P2-Potenziale), wobei die Modifikation des P2-Signals sogar nach sieben Tagen noch messbar blieb. Mittels der Magnetstimulation (TMS) wurden zudem größere Amplituden und schnellere Reaktionszeiten (Latenzen) bei den motorischen Nervenbahnen festgestellt. Unbeeinflusst von der Substanz blieb hingegen die Konzentration des Nervenwachstumsfaktors BDNF im Blut.
Das wissenschaftliche Fazit der Forschenden fällt positiv aus: Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse, um die Mechanismen von Psychedelika auf menschliche Lernprozesse künftig noch genauer zu erforschen. Gleichzeitig verweist die Studie auf die methodischen Grenzen und Herausforderungen, die bei der Messung von langfristigen synaptischen Veränderungen im lebenden Menschen bestehen. Da die Untersuchung gezielt mit gesunden Teilnehmenden durchgeführt wurde, lässt sich aus den Daten allerdings noch kein unmittelbarer medizinisch-therapeutischer Nutzen für Patientinnen und Patienten ableiten.
Calder, A.E., Diehl, V.J., Lietz, M.P. et al. (2026), Acute and post-acute neurobehavioral responses to lysergic acid diethylamide in healthy subjects: a randomized controlled study. Neuropsychopharmacol. https://doi.org/10.1038/s41386-026-02454-7


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