«Wir befinden uns in einer globalen Transformation»

Kultur | 14.08.2026 07:00

Unter dem Namen Akasha Project produziert Barnim Schultze aus Berlin psychedelische Musik und Audiokunst, die beim Hören psychoaktive Zustände und ein erweitertes Bewusstsein aktivieren können – ein in dieser Form bislang einmaliges Gesamtwerk.
Interview: Markus Berger
 
Dazu gehören unter anderem molekulare Vertonungen psychedelischer Stoffe und Vertonungen der Himmelskörper unseres Sonnensystems. Er sprach mit Lucy’s über seine Arbeit und den tieferen Sinn, der hinter seinen Werken steckt.
 
Mit Akasha Project machst du eine ganz außergewöhnliche Art von Musik. Welcher Natur ist deine Audiokunst? Was ist deine Intention, was inspiriert dich?
Barnim Schultze: Ich würde die Klänge, mit denen ich meine Musik mache, als Wirklichkeitsfrequenzen bezeichnen. Das bedeutet, dass die Intervalle (Tonabstände) in meinen Kompositionen gegenüber der «normalen» gleichschwebenden Stimmung etwas verändert sind. Man nennt diese Stimmung diatonisch-rein. Außerdem liegt jedem Musikstück ein bestimmter, aus der Natur abgeleiteter Stimmton zugrunde – bei Molekülen auch mehrere. Diese harmonikalen Kammertöne sind akustische Hochpotenzen natürlicher Schwingungsphänomene, die sich als Teil der Wirklichkeit unserer direkten Wahrnehmung entziehen. In der alternativen Medizin werden die harmonikalen Kammertöne zu therapeutischen Zwecken eingesetzt – ich mache damit Musik.
 
In psychonautischen Kreisen bist du insbesondere wegen deiner Molekularvertonungen bekannt, also den musikalischen Umsetzungen von LSD, MDMA, DMT, THC und anderen Psychoaktiva. Wie kommt eine solche Vertonung zustande?
Die Spektralanalyse liefert uns für jedes Molekül eine Anzahl sehr exakter Farbwerte, quasi den Fingerabdruck dieses Moleküls. Diese Farbwerte, gemessen im Nanometerbereich, geben Auskunft über das individuelle Schwingungsverhalten der Elementarteilchen (oder Wellen) eines Stoffes. Farben sind Schwingungen, genau wie Töne, nur viel schneller. Mit der Oktavierungsformel können wir diese Farbwerte in den Hörbereich transponieren und damit hörbar machen. 
 
Diese Vertonungen allein sind ja schon in der Lage, den Zuhörer in einen veränderten Bewusstseinszustand zu versetzen. Während des Autofahrens zum Beispiel sollte man deine psychoaktiven Produktionen wohl nicht unbedingt hören ...
Bei meiner Arbeit als Akasha Project geht es generell darum, die Wirkung von Frequenzen zu erforschen und einen möglichst potenten Klangwirkstoff zu erzeugen, unabhängig davon, ob dem Stück eine makrokosmische, planetare Frequenz oder ein mikrokosmisches Klangfeld zugrunde liegt. Eine solche Musik ist gemacht, um dich auf eine Reise mitzunehmen – sie ist also kontraproduktiv, wenn es darauf ankommt, konzentriert im Alltagsbewusstsein zu sein. Wie ist es, wenn man eine andere Substanz dazu nimmt und sozusagen mehrfachen Mischkonsum betreibt – gemischte Molekularinformationen von gemischten Medien? Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Abgesehen davon, dass mein Ehrgeiz natürlich darin besteht, ein substanzanaloges Erleben ohne chemische Intoxikation zu vermitteln, reagiert ja jeder Mensch unterschiedlich auf verschiedene Substanzen. Ich stelle Frequenzwerkzeuge her, damit Mensch sie ausprobieren kann. Generell gibt es da keine Regeln – oder, wie Hans Cousto immer so schön sagt: «Wenn’s geil ist, ist es geil.» 
 
Wenn man beispielsweise die LSD-Vertonung auf MDMA genießt, hat man doch eigentlich einen Candyflip.
Barnim lächelt und zwinkert spitzbübisch. 
 
Und wie würde es sich auswirken, während des Hörens deiner Molekularvertonungen dieselbe Substanz einzunehmen? Wenn man zum Beispiel LSD schluckt und dann deine LSD-Vertonung erlebt, nimmt dann die Intensität des Acid-Trips zu? Oder triggert die Vertonung einen schnelleren oder andersartigen Wirkungsbeginn?
Auch das ist höchst individuell. Wir bewegen uns hier ja im Bereich von Feldwirkungen und Resonanzen. Im erweiterten Bewusstseinszustand nimmt ja alles Einfluss auf mich, und wie es sich anfühlt, das sind Resonanzphänomene. Wenn ich mich in einem bestimmten Feld befinde und oktavanaloge Informationen hinzufüge, führt das sicherlich zu einer graduellen Verstärkung. Dies war natürlich schon immer der Sinn von psychedelischer Kunst. 
 
Wie ist es um deine eigene Affinität zu Psychedelika und zum psychedelischen Lebensweg bestellt?
Ich hatte vor 38 Jahren eine sehr tiefgehende psychedelische Erfahrung, die mir den Anstoß dazu gab, mein Leben der Suche nach anderen Zugängen zu solchen erweiterten Wahrnehmungen zu widmen. 
 
Hans Cousto ist der Entdecker der Theorie von der Kosmischen Oktave. Auch mit ihm arbeitest du zusammen. Welche Rolle spielt er bei deinen Planetarvertonungen?
Auf meiner Suche nach praktischen Methoden zur Steigerung von Frequenzwirkungen begegnete ich Mitte der 1990er-Jahre Hans Cousto, mit dem mich seitdem eine enge Freundschaft verbindet. Er ist der Schlüsselmacher, denn er gab mir mit der Oktavierungsformel den Schlüssel, den ich so lange suchte. Unsere Arbeitsteilung schaut so aus, dass er mir die Berechnungen liefert und ich dann daraus die Musik bastle. Wie gesagt, ist der Grundansatz meiner Musik immer ein psychedelischer. Das ist unabhängig davon, ob die Musik substanzanalog oder planetar gestimmt ist. Die Planeten spiegeln in ihren Resonanzen archetypische Felder wieder, die dem Psychonauten als Fahrzeug in ein spezifisches Setting dienen. Ich arbeite mit allen Frequenzen der Kosmischen Oktave. Es ist ja nicht so, dass ein Molekül oder ein Planet abgehakt wäre, wenn damit ein Musikstück erstellt ist. Es sind Felder, die dem Musiker ein bestimmtes Wirkungsfeld eröffnen: Wonach ist mir heute … ein wenig Venusschwingen ... oder mit dem Pluto weit hinaus und tief hinein ins kollektive Unbewusste? Mit dem Sonnenton über die Grenze in ein anderes Universum oder spüren, wie die Obertöne im LSD-Feld interagieren? 
 
Wie funktioniert so eine Vertonung von Himmelskörpern?
Während wir bei den Molekülen sehr schnelle Farbschwingungen haben, die wir durch Teilen in den Hörbereich transponieren, sind die Umlaufbahnen und Eigenrotationen der planetaren Himmelskörper sehr langsame Intervalle. Diese werden in ihrer Frequenz so oft verdoppelt, bis wir einen deutlich wahrnehmbaren Ton im Hörbereich finden. Als kleines Beispiel die Berechnungen zum Erdenjahr: 365,24219 Tage = 31556925,54 Sekunden. Bilden wir aus der Sekundenzahl den Kehrwert, erhalten wir eine Hertz-Zahl, da Hertz (Hz) Schwingungen pro Sekunde bedeutet. Der Kehrwert von 31556925,54 Sekunden ist 0,00000003168 Hz. Wenn wir diesen Wert 25-mal oktavieren (also verdoppeln) finden wir eine Rhythmusgeschwindigkeit, gemessen in Schlägen pro Minute, nämlich 63,80 bpm (beats per minute) .Verdoppeln wir weiter, erhalten wir in der 32. Oktave einen Ton Cis mit 136,10 Hz. Treiben wir dieses Spiel weiter, finden wir in der 74. Oktave wieder eine Farbe – in diesem Fall ein Blau/Grün mit einer Schwingung von 500,837 Nanometern Wellenlänge.
 
Das ist ja mehr als spannend. Was habt ihr sonst noch gemeinsam realisiert?
Ganz besondere Highlights sind für mich immer wieder die gemeinsamen Auftritte mit Hans, wie zum Beispiel 2014 auf dem Symposium zum 30-jährigen Bestehen des Nachtschatten Verlags (auf DVD beim Verlag erhältlich) in Solothurn oder im vergangenen Jahr auf dem New Healing Festival. 
 
Jetzt ist gerade eine neue Doppel-CD herausgekommen. Was ist das für ein Werk und was ist das Thema der Produktion?
Die gerade eben veröffentlichte Akasha-Project-Produktion Spheres spiegelt auf zwei CDs sowohl eine Reise in den Makrokosmos der planetaren Schwingungsräume (Outside) als auch eine Reise tief in die Quantenmusik der Materie (Inside) wider. Die zwei Seiten unserer Wirklichkeit: das Außen und das Innen, das Oben und das Unten. 
 
Für die Finanzierung hattest du im Dezember 2015 eine Crowdfunding-Aktion initiiert.
Wenn man unabhängig und frei seine Produktionen auf professionellem Niveau veröffentlichen möchte, ist Crowdfunding eine tolle Möglichkeit. Vorausgesetzt, man hat liebe Freunde, die es nicht krumm nehmen, wenn man sie einen Monat lang nervt. Ich habe für mein Projekt, das bis Silvester 2015 lief, unglaublich tolle Unterstützung auf Facebook bekommen. Meine Freunde dort haben geteilt und geteilt und geteilt, und so wurde die Aktion ein Erfolg. Und für mich wurde es ein sehr arbeitsreicher Start ins neue Jahr. 
 
Wie erlebst du als sensibler Musiker die derzeitige globale Lage? Es werden unzählige Kriege geführt, Menschen sterben auf der Flucht vor Gewalt, uralte schamanische Entheogene werden systematisch entheiligt und der Terrorismus ist omnipräsent. Wie weit ist die Menschheit auf dem Weg zum dringend notwendigen Bewusstseinswandel?
Wir befinden uns in einer globalen Transformation. Quantenphysik, Computer, Internet und psychedelische Erfahrungen mehrerer Generationen sowie die wiederentdeckten Wissensschätze indigener Völker haben uns die Informationen für einen Paradigmenwechsel – eine neue Wahrnehmung und Interpretation der Wirklichkeit – geliefert. Das alte Weltbild, das sich inzwischen weit von jeglicher Vernunft und gesundem Menschenverstand entfernt hat, knirscht an allen Ecken und Enden. Wir alle sind Evolutionsagenten auf dem Weg, ein glückliches kosmisches Wesen zu werden. Habe ich diesen evolutionären Gedanken verstanden und mich bewusst für die helle Seite der Macht entschieden – das andere wäre ja auch nur dumm –, dann wird alles, was ich tue, Teil der großen Bewegung, welche die Dinge gut machen will. Unsere Wirklichkeit wurzelt ja in der Dualität: kalt – heiß, hell – dunkel, Freude – Schmerz usw. Ich sehe die Welt grundsätzlich auf einem Weg hin zur Verfeinerung. Rückschritte sind nicht ausgeschlossen. Ich versuche, das Leben sportlich zu nehmen und meinen internen Kompass zum Licht hin auszurichten. Ja, ich denke, wir befinden uns auf einem guten Weg. 
 
Psychedelika können uns bei der Umkehr helfen; in Zeiten der Drogenprohibition ist das allerdings mit großen Schwierigkeiten verbunden. Du aber kannst den Menschen die psychedelische Erfahrung auf legalem Weg nahebringen. Hat deine Musik die Kraft, eine wie auch immer geartete Bewusstseinserweiterung zu bewirken?
Musik war schon immer ein hochwirksames Mittel zur Bewusstseinstransformation – jede Musik zu ihrer Zeit und weit darüber hinaus. Mein Anliegen ist es, bewusst Klänge zu schaffen, die die Wahrnehmung verändern und verfeinern. Die Wissenschaft der Harmonik ist weit mehr als Musik, auch weil sie aufzeigt, dass harmonikale Gesetze und damit musikalische Intervalle die Grundlage der Matrix unserer Wirklichkeit bilden und damit grundsätzlich wirksam sind.
 
Barnim Schultze (*1963) aus Berlin, unter dem Künstlernamen Akasha Project seit Mitte der Achtzigerjahre Beschäftigung mit elektronischen Klängen und Rhythmen und deren Wirkung auf unser Bewusstsein. Seit 1992 freiberufliche Tätigkeit als Komponist, Musiker und Musikproduzent im Bereich der elektronischen Musik. Seit 1995 Zusammenarbeit mit dem Mathematiker und Musiktheoretiker Hans Cousto. Seit 1998 Veröffentlichungen auf verschiedenen Labels. Seitdem zahlreiche Livekonzerte, Vorträge und CD-Produktionen zum Thema Kosmische Oktave. Komplette Diskografie unter http://akashaproject.de/htmlde/musik.html Immer wieder neue Musik und Aufnahmen von Livekonzerten auf www.akashaproject.bandcamp.com

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