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"Nein, ich nehme keine Chemie!"

Es gibt einen Mythos, der auf Unwissenheit beruht und auch in der psychedelischen Bewegung immer wieder eine Rolle spielt. Es geht um den ewigen Streit der Psychonauten zum Thema Naturstoffe versus die sogenannten „chemischen Drogen‟. Dass diese Kontroverse überflüssig ist wie ein Kropf, wollen wir mit diesem kleinen Text ein wenig erhellen.
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"Nein, ich nehme keine Chemie!" -

Ich nehme keine Chemie!‟

Wenn das Thema aufkommt, fühlen sich viele von der Leidenschaft ergriffen. „Ich würde nie Chemie nehmen – ich konsumiere ausschließlich Pflanzen!‟ So oder ähnlich kann man es auf so gut wie jedem Festival und jedem psychonautischen Gathering vernehmen. Und es nervt. Sogar ziemlich. Denn solche Aussagen liefern lediglich den Beweis dafür, dass der entsprechende Zitatgeber keinerlei Ahnung hat von den Dingen und wie sie sich verhalten.

„Mein Kind hat zwar mit einem bakteriellen Infekt zu kämpfen, aber Antibiotika würde ich ihm nie geben. Das ist doch Chemie, mein Kind bekommt nur Naturstoffe!‟ Solche Sprüche kommen ebenfalls immer und immer wieder. Von Unwissenden, die sich mit derartigen Aussagen selber für die Diskussion disqualifizieren.

Natur vs. Chemie?

Fangen wir mal von vorne an: Es gibt keinen Unterschied zwischen „Natur‟ und „Chemie‟. Chemie ist nämlich Natur in Reinkultur. Zu Deutsch: Was da in den Pflanzen wirkt, deren Inhaltsstoffe nämlich, ist Chemie – und zwar par excellence. Die pflanzlichen Wirkstoffe sind chemische Verbindungen, und daran ist überhaupt nichts Schlechtes. Denn auch unser Körper funktioniert nur mit dieser Chemie, auch wenn manche sich jetzt eventuell schütteln müssen. Es ist die Realität.

Synthetische Substanzen

Was die vermeintlichen Naturpuristen in Wirklichkeit meinen, sind synthetische Substanzen. Die bestehen – oh Wunder – auch aus Chemie, kommen aber in vielen Fällen in der Natur so nicht vor. Doch selbst das ist noch keine Abgrenzung, mit deren Hilfe man die Moleküle in „gut‟ und „böse‟ einteilen kann. Denn so mancher Synthesestoff wurde zunächst im Labor „erfunden‟ und später in Pflanzen, Pilzen, Tieren oder Menschen (oder in allen) als Naturstoff nachgewiesen.

Erst synthetisch, dann natürlich?!

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass es zwei Substanzen gibt, die einst als Synthesepharmaka schlechthin galten: nämlich das Dimethyltryptamin (N,N-DMT) und das Beruhigungsmittel Diazepam (ein sogenanntes Benzodiazepin), besser bekannt unter seinem weltweit bekannten Markennamen Valium.

Beide Stoffe wurden zuerst im Labor als Synthesestoffe designt – und später von Forschern als Naturstoffe entdeckt! Was für eine Sensation! Synthesemoleküle in der Natur!

DMT, eines der stärksten Psychedelika, die dem Menschen bisher bekannt sind, kommt dabei nicht nur in unzähligen Pflanzen vor, sondern als endogene, also körpereigene Substanz in Menschen und Tieren! Und auch das Valium – „Mother‛s little Helpers‟ – ist ein Naturstoff, der zum Beispiel im Reis, im Mais und in der Kartoffel nachweisbar ist, wenn dort auch nur in Spuren. Es wird also Zeit, die Scheuklappen abzulegen.

Auch aus der Natur: Antibiotika

Und auch mit den gefürchteten und gleichsam verhassten Antibiotika verhält es sich anders, als viele glauben mögen. Denn selbst die gehören in ihrer ursprünglichen Form zu den Naturstoffen. Das Penicillin war einstmals aus dem Schimmelpilz Penicillium isoliert worden, nachdem der schottische Arzt Alexander Fleming (1881-1955) zufällig entdeckt hatte, dass der Stoff antibakterielle Wirkung aufweist. Sicher ist es nicht zuträglich, seinen Kindern oder sich selbst pausenlos und bei jedem Zipperlein Antibiotika zu verabreichen. Wer aber ernsthaft an einem bakteriellen Infekt erkrankt ist und auf die Hilfe dieses Pharmakons verzichtet, tut sich im Zweifel gar nichts Gutes. Bei aller Gefährlichkeit von solchen Infekten, die durchaus auch ernsthafte bis lebensbedrohliche Herz-Kreislaufbeschwerden herbeiführen können, muss es als unterlassene Hilfeleistung betrachtet werden, wenn Eltern ihren Kindern das Antibiotikum vorenthalten, weil sie ja ach so freaky-bio sind.

Wir sehen: Es gibt weder gute noch böse Substanzen. Auch Naturstoffe können lebensgefährliche Vergiftungen auslösen. Eine Unterteilung in „Natur‟ und „Synthetik‟ entspringt einzig und allein unserer Fantasie.

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