herman de vries wird 90!
natur ist sich selber genug und soll dem menschen auch genug sein. was wir von der natur noch um uns finden können (ich sage bewusst nicht «haben»), hat keine menschlichen zufügungen nötig. sie ist sich selbst – und für uns eine offenbarung … (herman de vries, zitiert nach: Müller-Ebeling 2016)War er früher noch ein mittelloser Kreativer, seine Werke wurden dennoch bereits 1962 ausgestellt, so ist herman de vries heute eine hochgehandelte Figur im internationalen Kunstbetrieb. Museen, Galerien und Sammler in aller Welt reißen sich um seine Werke. Neben seiner langjährigen Sekretärin Marion Reissner steht auch eine Fotografin auf seiner Gehaltsliste. Nicht nur die Kunst, sondern auch psychonautische wie auch ethnobotanische Literatur gehört zu seinen Leidenschaften: In den Ausstellungen zu «natural relations: die marokkanische Sammlung» (das von der niederländischen Regierung mitfinanziert wurde), sowie «natural relations – eine skizze» (1984) wurden 2000 Pflanzen bzw. Pflanzenteile präsentiert, «denen eine heilende oder geistbewegende Wirkung zugeschrieben wird». Die Arbeit an diesem Projekt – inklusive ausgedehnter Forschungsreisen – beschäftigte herman de vries für sieben volle Jahre. Die zugehörigen Kompendien, welche seine ethnobotanischen Erkenntnisse dieser Jahre enthalten, umfassen knapp 800 Seiten und bieten «eine Fundgrube obskurer und schwer zugänglicher Informationen; insbesondere in Bezug auf Ayahuasca-Analoge und die Steppenraute Peganum harmala» (Müller-Ebeling 2016). https://youtu.be/r7KHKDFqa8U Anfang der 1990er Jahre war herman de vries gemeinsam mit Wolfgang Bauer Herausgeber des psychonautischen Magazins «integration – zeitschrift für geistbewegende pflanzen und kultur», von dem sechs Ausgaben in fünf Bänden erschienen. Die Publikation beschäftigte sich in englischen und deutschen Artikeln u.a. mit Bewusstseinszuständen, Ethnobotanik und -pharmakologie sowie weiteren Themenfeldern der Drogenforschung und Ethnologie. V.l. Susanne de vries, Katja Redemann-Bauer, herman de vries und Albert Hofmann auf der Rittimatte. Foto: Wolfgang Bauer meine poesie ist die welt ich schreibe sie jeden tag ich schreibe sie jeden tag neu ich sehe sie jeden tag ich lese sie jeden tag ich esse sie jeden tag ich schlafe sie jeden tag die welt ist meine chance sie ändert mich jeden tag meine chance ist meine poesie herman de vries, 1972 (u.a. in: aus der wirklichkeit, seite 6) herman de vries lebt mit seiner Frau Susanne in seiner Wahlheimat Eschenau. Sein eigentlicher Schaffensbereich liegt im nahen Steigerwald, in dem er früher regelmäßig etliche Kilometer lange Spaziergänge absolvierte. Auf lange Märsche muss de vries aus gesundheitlichen Gründen verzichten, gelegentliche Nacktspaziergänge – des unmittelbaren Naturerlebnisses wegen – sind trotzdem kein seltener Anblick für seine Nachbarn. Das Team des Nachtschatten Verlags wünscht herman de vries alles erdenklich Gute zum 90. Geburtstag! Auf viele weitere kreative und berauschende Jahre! Frühes unveröffentlichtes Foto, aufgenommen um die Jahrtausendwende; v.l. Roger Liggenstorfer, Jochen Gartz, Wolfgang Bauer und herman de vries. Foto: Wolfgang Bauer Zur Website von herman de vries herman de vries unterwegs. (Abschrift des original handschriftlichen Faksimiles; aus: Markus Berger, Roger Liggenstorfer und Christian Rätsch: Psychedelische Tomaten, Nachtschatten Verlag 2016)
am nächsten tag war meine sprache dahin. konnte kein wort äussern. die anderen schauten mich stumm an. so ging es ihnen auch. es gab nichts mehr zu erzählen. wir wussten alle dass es uns geschehen war und sassen stumm und müde zusammen. innen – weil es zu hell war draussen – zu mächtig.
drei jahre später verkaufte ein liebenswerter alter mann uns, susanne und mir, in marrakesch eine portion ‘majun’. „nicht zu viel, nicht zu wenig, aber nicht mehr als so“ und er deutete mit seinem finger die menge an. es sah aus wie die substanz damals auf dem schiff – von tunis nach marsala. wir nahmen es zusammen und legten uns hin, wie er uns geraten hat. es kam nach einer knappen stunde und war wie eine heisse kraft. nach vier stunden war es wieder vorbei. es hatte so ähnlich wie damals gewirkt, aber nicht so überwältigend. die menge war auch kleiner. ein attar – ein kräuterhändler – auf rahba kédima, der ‘alte Platz’, verkaufte mir die bestandteile. es waren grösstenteils nachtschatten stellte ich viel später fest, als wir die samen zuhause im garten zu pflanzen grossgezogen hatten: datura stramonium, datura tatula, hyoscyamus albus, atropa belladonna, u. a. – und kein cannabis.
(Nachbemerkung von 2006: es war damals eine unbeschreibliche erfahrung. sie prägte sich in erinnerung und bewusstsein – ist immer noch nicht in wörter zufassen: es hat sich gezeigt und es hat mein leben danach grundlegend mitgestaltet.)
Bücher von herman de vries (Auswahl) 1989 natural relations - eine skizze, verlag für moderne Kunst 1993 gute hoffnung - ohne gegensätze, Kunstverein Ruhr e. V. 1998 aus der wirklichkeit, Stadthaus Ulm 2009 all this here, Stiftung Museum Schloss Moyland 2015 Rauschpilze: Märchen - Mythen - Erfahrungen, Nachtschatten Verlag (zusammen mit Wolfgang Bauer und Katja Redemann) 2019 all all all - Werke 1957-2019, De Gruyter/Deutscher Kunstverlag Zitierte Literatur Müller-Ebeling, Claudia (2016), «natur ist sich selber genug». herman de vries – der weise Psychonaut vom Steigerwald, Lucy’s Rausch 4: 36-41.


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