Die psychedelische Taufe

Psychedelika und Christentum

Kultur | 31.08.2026 07:00

Die Living Grace Lutheran Church - und deren psychedelische Praxis.
Don Lattin
Die Living Grace Lutheran Church, eine zerrüttete Gemeinde am Stadtrand von Omaha, scheint der letzte mögliche Ort für ein Experiment mit der erlösenden Kraft der psychedelischen Spiritualität zu sein. Nebraska ist einer der politisch und kulturell konservativsten Bundesstaaten Amerikas – ein Ort, an dem sowohl medizinisches Marihuana als auch Cannabis zur Freizeitgestaltung immer noch illegal sind. Das Mitbringen eines einzigen Cannabinoid-haltigen Gummibärchens (edible) über die Grenze von Colorado ist in Nebraska nach wie vor eine Straftat. Dennoch spielte der Pastor von Living Grace, Rev. James Lindberg, auf stille Weise eine Schlüsselrolle in einem der ungewöhnlichsten Forschungsprojekte der aufkeimenden psychedelischen Renaissance.
Die meisten Studien, die an Universitäten und medizinischen Zentren von New York bis San Francisco durchgeführt werden, befassen sich mit den potenziellen Vorteilen der psychedelisch unterstützten Therapie für die geistige Gesundheit. Kann MDMA, das auf der Straße als «Ecstasy» oder «Molly» bekannt ist, bei der Behandlung von Militärveteranen oder Vergewaltigungsopfern mit posttraumatischer Belastungsstörung helfen? Kann Psilocybin, der psychoaktive Inhaltsstoff, der den Pilzen ihren Zauber verleiht, bei der Behandlung von Depressionen oder Drogenmissbrauch helfen?
Pfarrer Lindberg nahm als Proband an einer ganz anderen Art von Experiment teil, das von Forschern der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore und der NYU Langone Health in Manhattan durchgeführt wurde. Er war einer von zwei Dutzend gesunden und «psychedelisch naiven» religiösen Fachleuten – Rabbiner, Priester, Seminarprofessoren –, die an einer Studie teilnahmen, die (zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels) noch nicht veröffentlicht wurde. Nach einer sorgfältigen Auswahl und Vorbereitung wurden ihnen in einer angenehmen, überwachten Umgebung zwei Dosen synthetisches Psilocybin verabreicht.
Die Idee war, die chemisch induzierten mystischen Erfahrungen zu messen, die sie durch die Substanzen eventuell erleben könnten, und im Nachhinein zu sehen, wie diese göttliche Begegnung ihnen für ihrem Dienst hatte helfen können oder vielleicht sogar eher hinderlich gewesen war. Das mag zunächst wie ein respektloser Scherz klingen: «Ein Rabbiner, ein katholischer Priester und ein protestantischer Prediger betreten einen Raum und erhalten eine kräftige Portion Magic Mushrooms.» Aber es war eben kein Scherz, und was dann geschah, war tatsächlich alles andere als respektlos. Dieser Artikel berichtet über die magischen Mystery-Trips von vier Personen, die an diesem Versuch teilnahmen – allesamt protestantische Geistliche.
Zwei von ihnen hatten überwiegend positive Erfahrungen und fühlten sich in ihrem Dienst inspiriert. «Es ist erstaunlich, wie viele Geistliche noch nie eine mystische Erfahrung gemacht haben», sagt Pfarrer Roger Joslin, der zwei Episkopalkirchen auf Long Island, New York, leitet. «Wie wollen Sie das Mysterium in das Leben Ihrer Gemeinde einbringen, wenn Sie selbst nicht wissen, wie es ist?» «Die institutionelle Religion kann potenziell viel aus der psychedelischen Erfahrung lernen», sagt Pfarrer Hunt Priest, ein Episkopaler, der eine Organisation gegründet hat, um andere Geistliche und Laien zu unterstützen, die sich für die Erforschung von Entheogenen interessieren. «Und die psychedelische Gemeinschaft kann eine Menge von der organisierten Religion lernen.»
Zwei andere Studienteilnehmer, darunter James Lindberg, fühlten sich zunächst eher verwirrt als erleuchtet. Pfarrerin Rita Powell, eine episkopale Geistliche und Harvard-Kaplanin, fragte sich, warum sie auf ihrer Reise nicht Christus begegnet war. «Ich betrat einen Raum des Nichts. Es gab keinen Raum zum Betreten. Ich sah niemanden. Ich war nirgendwo. Es gab weder Farbe, noch deren Abwesenheit. Es gab keine Form und auch nicht deren Abwesenheit. Es gab keine Angst. Es gab keine Freude. Es gab keine Enthüllung. Da war nichts.» Die Psychedelika, so Lindberg, stürzten ihn als lutherischen Pastor zunächst in eine Art «Glaubenskrise». «Sie öffneten mir die Augen und zeigten mir, dass meine Sicht der Welt klein und begrenzt war, verglichen mit dem, was ich gerade erlebt hatte. Eine Zeit lang kämpfte ich damit, was es bedeutet, ein ausgewiesenes Mitglied des Klerus zu sein, das die Lehren dieser Religion verkünden soll. Ich wurde bescheidener, als ich über Gott sprach. Gott ist größer und gewaltiger, als ich es mir vorstellen kann.»
 

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Die neue Welle entheogener Erkundungen in den Vereinigten Staaten findet zeitgleich mit einem historischen Rückgang der Kirchenbesucher statt – ein freier Fall, der schon vor der COVID-Pandemie begann. Laut einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gallup (Washington, D.C.) sank die Mitgliedschaft in Gotteshäusern im Jahr 2020 zum ersten Mal in acht Jahrzehnten der Erhebung unter die 50-Prozent-Marke. Nur noch 47 Prozent der Befragten gaben an, Mitglied in einer Kirche, Synagoge oder Moschee zu sein, 1999 waren es noch 70 Prozent. Lindbergs Konfession, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika (ELCA), ist davon besonders schwer betroffen. Die Mitgliederzahlen gehen so schnell zurück, dass diese Kirche einer Prognose zufolge in ein oder zwei Generationen vom Aussterben bedroht sein wird.
Als junger Reporter im Bereich «Religion» berichtete ich über den Kongress 1987 in Columbus, Ohio, als drei kleinere lutherische Kirchen für den Zusammenschluss zur neuen ELCA mit 5,3 Millionen Mitgliedern stimmten. Bis zum Jahr 2020 war die nationale Mitgliederzahl auf 3,1 Millionen gesunken. James Lindberg, geboren 1970, wuchs in einer lutherischen Familie in Sacramento, Kalifornien, auf. Sein zweiter Vorname ist Christian. Als er aufwuchs, dachte er daran, Polizist, Sozialarbeiter oder Highschool-Lehrer zu werden. Doch nach seinem Bachelor-Abschluss an der Sacramento State University schrieb sich Lindberg am Luther-Seminar in St. Paul, Minnesota, im Kernland des amerikanischen Luthertums, ein. «Es gab keine großen Erleuchtungen oder spirituellen Erfahrungen, die mich zum Pfarramt führten», erinnert er sich. «Die Kirche war einfach etwas, das mir sehr vertraut war. Ich ging in den Dienst, weil die Kirche gut zu mir passte. Ich liebe die Kirche einfach.» Im Jahr 2008 wurde er von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika mit der Gründung einer neuen Kirche in den wachsenden Vororten westlich von Omaha beauftragt. «Wir wollten ein großes Gebäude bauen und eine traditionelle lutherische Kirche sein – vielleicht sogar eine Megakirche, wenn wir unsere Karten richtig ausspielen und genügend Bücher von Steven Covey lesen würden», so Lindberg, der sich auf den Bestsellerautor und Unternehmensberater bezieht.
Pastor Lindberg begann seinen Dienst zu einem Zeitpunkt, als die Kirchen im ganzen Land von sinkenden Besucherzahlen betroffen waren. Die Gemeinde, die sich in einem gemieteten Raum in der Aula einer High School traf, wuchs auf etwa 125 Gottesdienstbesucher pro Woche an. Dann sank sie auf 100, dann auf 90, und dann kam COVID. «Heute kommen etwa 20 bis 25 Leute persönlich zu uns», sagt er, «und etwa zehn bis 15 online.» Im Jahr 2018 las Lindberg eine Zusammenfassung religiöser Nachrichten und wurde auf eine Meldung mit der Schlagzeile «Religious Leaders Take Magic Mushrooms» aufmerksam. Er hatte zwar noch nie Psychedelika genommen, aber ein paar Jahre zuvor in Colorado, wo Cannabis legal ist, Marihuana geraucht und erkannt, dass «es einen spirituellen Aspekt hat».
In dieser Johns-Hopkins-Studie erhielten religiöse Fachleute, die sich für das Experiment qualifiziert hatten, zwei Gelegenheiten für einen Psilocybin-Trip. Es handelte sich um die übliche Anordnung in der neuen Welle klinischer Studien – eine wohnzimmerähnliche Umgebung, Schlafmasken, stimmungsvolle Musik und zwei Führer, die die Reise beaufsichtigten. «Es war eine einheitsstiftende Erfahrung», erinnert sich Lindberg. «Der Verlust des Selbst, der Grenzen und der Identifikation mit den Rollen – Mann, Pastor, Ehemann – und die Erfahrung, dass ich mich selbst als einzigartig erlebe und nicht meine Rollen ... Es klingt kitschig, aber es fühlte sich an wie eine Seelenreise, eine Reise des Geistes. Es war, als würde ich in ein kleines Boot steigen und auf den kosmischen Ozean hinausfahren.
Es gab Stürme. Es gab Schönheit. Es gab neongrüne Gärten und eine Stadt aus Wolken, aber das interessierte mich nicht so sehr, sondern ich wollte mich mehr in einen Raum der Einheit begeben.» In einem Zoom-Interview fragte ich Lindberg, ob seine beiden Reisen irgendetwas «Christliches» an sich hatten. «Eigentlich nichts», antwortete er. «Sie zeigten mir etwas darüber, was Wahrheit und was Realität ist und was es bedeutet, ein gläubiger Mensch zu sein, mit all den Doktrinen und Überzeugungen der Kirche und der Hierarchie und Struktur und Macht. Die psychedelische Erfahrung hat vieles davon für mich dekonstruiert. Ich kann verstehen, warum eine Regierung diese Dinge unterdrückt sehen will. Nicht, weil die Leute sich den Kopf zerbrechen würden, sondern weil sie, zumindest für mich, die Kultur dekonstruieren. Sie haben den Glauben dekonstruiert.»
Wie so viele andere protestantische Kirchengemeinden in Amerika hat es auch die Living Grace Lutheran Church am Ende nicht geschafft. Ein Jahr nach unserem ersten Interview, am 26. Februar 2023, wurde in der Gemeinde der letzte Sonntagsgottesdienst abgehalten. Die Kirche – eine von Hunderten von lutherischen Gemeinden, die in den vergangenen zehn Jahren ausstarben – wurde so nur zu einer weiteren Statistik in der bröckelnden Infrastruktur der Religion der alten Zeit. Als Gründe für diesen Rückgang werden die Überalterung der Gemeinden, politische Meinungsverschiedenheiten und das mangelnde Interesse von Menschen genannt, die sich als «spirituell, aber nicht religiös» bezeichnen. Dann veränderten COVID und die vorübergehende Schließung von Kirchen die Sonntagsgewohnheiten der Menschen und schlugen den letzten Nagel in den kirchlichen Sarg.
Die gute Nachricht – zumindest für diesen 52-jährigen Pastor – ist, dass nur noch so wenige junge Menschen in den lutherischen Dienst eintreten, dass er selbst kaum Probleme haben dürfte, eine neue Stelle zu finden. Lindberg sieht in den Psychedelika zwar keine Erlösung, aber er erzählte mir, dass seine Sitzungen an der Johns Hopkins seine Herangehensweise an die Seelsorge auf subtile, aber bedeutsame Weise verändert haben. «Ich bin mehr wie ein Seelsorger auf die Menschen zugegangen», sagte er. «Anstatt zu versuchen, den Menschen beizubringen, wie ihr Glaube sein sollte, bin ich offener dafür geworden, wie sie Gott und den Glauben sehen. Ich sage ihnen nicht, was Gott denkt. Es geht viel mehr darum, ihnen zuzuhören, wie ihr Glaube eine Ressource für sie ist, und sie in ihrem Verständnis von Gott zu unterstützen.»

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Im Gegensatz zu James Lindberg wurde Pfarrer Roger Joslin erst auf dem zweiten Bildungsweg Pastor. Er wurde 1951 in Texas geboren und verbrachte die ersten zwei Jahrzehnte seines Berufslebens mit der Herstellung von maßgefertigten Schränken und Holzverkleidungen. «Sehr teures Zeug für Leute mit zu viel Geld», scherzte er. «Texaner neigen dazu, sehr protzig zu sein. Sie zeigen gerne ihren Reichtum.» Joslin wuchs in der konservativen evangelikalen Southern Baptist Convention auf, der größten protestantischen Kirche des Landes. 1969 verweigerte ihm diese Kirche die Unterstützung, weil er sich gegen den Vietnam-Krieg ausgesprochen hatte und den Status eines Kriegsdienstverweigerers beantragen wollte. «Ich erkannte, dass sie das, was Jesus lehrte, nicht so ernst nahmen wie ich», sagte er, «also verließ ich die Kirche.» Rückblickend stellt Joslin fest, dass er «schon immer eine spirituelle Veranlagung hatte», aber dies bezog sich eher auf eine geistige Verknüpfung, die er im Naturerlebnis empfand – beim Wandern, Laufen, Kanufahren und Radfahren.
In den späten 1990er Jahren zeltete er in den spektakulären Sangre de Cristo Mountains im Norden New Mexicos und wanderte über die Wege hinter dem Benediktinerkloster Pecos. Da er Angst davor hatte, sich zu verlaufen, legte er an einigen Kreuzungen Stöcke nieder, die ihm den Rückweg weisen sollten. Als er zurückkehrte, bemerkte er, dass sie ein Kreuz bildeten. «Im wahrsten Sinne des Wortes», sagte er, «zeigte mir das Kreuz den Weg zurück zum Kloster». Gespräche mit einem der Mönche, Bruder Patrick, überzeugten ihn davon, den langen Weg durch das Priesterseminar anzutreten und sich um die Priesterweihe zu bemühen. Nach seinem Abschluss am Episcopal Theological Seminary of the Southwest im Jahr 2005 wurde Joslin nach Bentonville, Arkansas, der Heimatstadt von Wal-Mart, geschickt, um eine bischöfliche Kirche zu gründen.
Nach zehn Jahren dort wurde er an das östliche Ende von Long Island versetzt und zwei Gemeinden in Mattituck und Greenport zugewiesen. Er erfuhr von dem Experiment in Johns Hopkins, als Hunt Priest, einer seiner besten Freunde aus dem Seminar, ihm ein Foto einer Anzeige schickte, die die Forscher in der Zeitschrift Christian Century geschaltet hatten und in der Probanden gesucht wurden. «Dein Name steht da überall drauf», sagte Priest. Seine beiden Psilocybin-Trips waren sehr unterschiedlich, aber jede auf ihre eigene Weise tiefgreifend. «Die erste Reise war magisch, geheimnisvoll und großartig», sagte er. «Ich besuchte andere Welten. Ich habe einen Blick in ein anderes Universum geworfen. Ich machte die Erfahrung der theologischen Einheit, die schon seit langer Zeit mein Glaubensgrundsatz war – dass wir alle eins sind, dass die Schöpfung aus einer Substanz besteht.
Bis dahin glaubte ich nur an diese Kosmologie, doch nach meiner ersten Psilocybin-Erfahrung wusste ich, dass dies die Wahrheit ist. Ich spürte es in meinen Knochen. Ich wurde zu anderen Planeten und interessanten Orten geführt und sah alle möglichen Dinge, die ich mir im Leben nie hätte vorstellen können. Es war zwar anstrengend und auch beängstigend, aber plötzlich fand ich mich an diesem Ort der Regeneration wieder. Es war wie ein Garten oder ein Markt, der Obst, Gebäck und Süßigkeiten in Hülle und Fülle bereithielt. Die Leckereien wurden von wunderschönen, freundlichen und großzügigen Frauen serviert – ein Ort des Überflusses und der Heilung. Beim zweiten Mal war es ganz anders. Ich steckte mitten in einer Scheidung, außerdem war meine Mutter gerade gestorben. Ich weinte und weinte gefühlt stundenlang ... tatsächlich fühlte es sich an, als hätte ich in dieser Zeit eine jahrelange Psychotherapie absolviert. Ich verabschiedete mich von meiner Frau und meiner Mutter und von jedem Menschen, den ich je verloren hatte. Es war wunderschön und schrecklich zugleich ...
Die eine Reise war also sehr bewusstseinserweiternd und die andere sehr therapeutisch, aber beide sehr kraftvoll und wichtig.» Weder Joslin noch Lindberg sprachen in ihren Gemeinden über ihre Erfahrungen – nur mit ihren Bischöfen und einigen befreundeten Geistlichen. Dennoch prognostiziert Joslin eine Zeit in nicht allzu ferner Zukunft, in der psychedelisch induzierte mystische Erfahrungen denjenigen Gemeindemitgliedern angeboten werden könnten, die diese Erfahrung machen wollen. Nicht als Ersatz für das Heilige Abendmahl, sondern im Rahmen von kirchlichen Exerzitien, die von geschulten Leitern betreut werden. «Ich denke, die Kirche sollte da mit von der Partie sein», sagte er, «und eine Art Katalysator für die mystischste Erfahrung darstellen, die Menschen jemals haben können.» Die Kirchen sterben zurzeit, und dies könnte sie wiederbeleben. «Es gibt alle möglichen Arten, eine mystische Erfahrung zu machen – Meditation, Askese der einen oder anderen Art, Atemarbeit, Träume. Unsere Heilige Schrift ist voll von mystischen Erfahrungen.
Das ist es, worum es in der Religion im Grunde geht. Daraus ergibt sich, dass wir uns um die Armen kümmern, dass wir uns für Gerechtigkeit einsetzen. Das sollte eigentlich normal sein ... Im Moment ist die Nutzung von vielen Substanzen nicht legal, also können wir nur begrenzt mit Entheogenen arbeiten. Aber eines Tages wird die psychedelische Erfahrung mit den anderen Wegen mystischer Schau zur Erfahrung des Göttlichen verbunden werden können.» Joslin sagte, dass seine psychedelischen Erfahrungen an der Johns Hopkins Universität seinen Sonntagsgottesdiensten einen neuen Geist einhauchten.
Er war für zwei Kirchengemeinden zuständig und hielt jeden Sonntagmorgen vier Gottesdienste ab. Vor seinen psychedelischen Reisen befürchtete er, dass «die Feier der Eucharistie banal und bedeutungslos werden würde». Danach allerdings «wurde die Eucharistie zu einer Art Mantra. Nach dem vierten Gottesdienst am Sonntag war ich jeweils an einem anderen Ort. Die Nachwirkungen blieben ein Jahr lang spürbar. Dies hat mich als Priester maßgeblich beeinflusst, und die Liturgie fühlt sich nun kraftvoller an als je zuvor.»

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Hunt Priest erlebte eine ähnliche Erweckung während seiner beiden Trips an der Johns Hopkins Universität. «Beim ersten Mal hatte ich ein sehr pfingstliches Erlebnis – ich spürte meinen Körper und redete in Zungen. Ich fühlte, wie eine Energiekraft in meinen Körper eindrang», erinnert er sich. «Jetzt sehe ich, dass geistige Heilung real ist. Ich habe Menschen die Hände aufgelegt und mit ihnen gebetet, aber ehrlich gesagt, habe ich mir dabei nur Zeit für sie genommen und war empathisch. Jetzt weiß ich, dass es Heilung wirklich gibt. Es ist ein bisschen peinlich, das zuzugeben, aber ich war die ganze Zeit über nur in meinen gedanklichen Welten verhaftet, in meinem Kopf. Aber das hier spielte sich in meinem Körper ab ... Ich habe den Heiligen Geist erlebt. Darüber bin ich mir im Klaren. Ich hatte das Gefühl, dass mein Trip an der Hopkins eine zweite Priesterweihe war.»
Seine Erfahrung war so stark, dass er – mit der Erlaubnis seiner Kirchenoberen – seine Gemeinde, die St. Peter's Episcopal Church in Savannah, Georgia, verließ und eine neue christliche psychedelische Gesellschaft gründete. Er nennt sie Ligare, abgeleitet von der gleichen lateinischen Wurzel wie das Wort «ligament», was so viel bedeutet wie Binden und Vereinen. «Religion in ihrer besten Form», erklärt er, «verbindet uns mit Gott». Mit dem Startkapital der Riverstyx Foundation konnte Priest Ligare auf den Weg bringen.
Die Organisation beschreibt sich selbst als «eine kollaborative Gemeinschaft von Geistlichen, Religionspädagogen, Gelehrten, spirituellen Führern, Philanthropen und Psychedelik-Forschern, die sich dafür einsetzt, allen, die es wünschen, die unmittelbare Erfahrung des Heiligen durch den verantwortungsvollen, legalen Gebrauch von psychedelischer Medizin und im Kontext christlicher kontemplativer Praxis zugänglich zu machen». Priest wuchs in einer kleinen Stadt außerhalb von Lexington, Kentucky, auf und besuchte die Kirche der Disciples of Christ.
Wie Joslin strebte er die christliche Ordination als zweite Laufbahn an, nachdem er neun Jahre in der Werbung für Delta Airlines gearbeitet hatte. Er war acht Jahre lang als Pfarrer in Seattle tätig, bevor er in seine Gemeinde in Savannah wechselte. Ähnlich wie bei James Lindbergs lutherischer Kirche ist der Mitglieder- und Besucherrückgang in der Episkopalkirche inzwischen so gravierend, dass einige informierte Insider diese Kirchengemeinschaft mittlerweile mit einer bedrohten Art vergleichen. 
Die nationale Mitgliederzahl ist von 3,4 Millionen in den 1960er Jahren auf 1,8 Millionen im Jahr 2019 gesunken. Und das war vor der COVID-Pandemie. «Bei diesem Tempo», so prognostizierte ein Experte, «wird um das Jahr 2050 in der gesamten Kirche niemand mehr im Gottesdienst sein.» Hunt Priest ist nicht so naiv zu glauben, dass Psychedelika die Episkopalkirche retten werden; doch was haben die Kirchenführer jetzt noch zu verlieren? «Ich habe ein klares Gefühl dafür, dass dies mein zukünftiger Dienst ist», sagte er. «Die Kirche wird nie mehr dieselbe sein, und sie sollte auch nicht mehr dieselbe sein ...
Ich hoffe, wir können eine Nische für die nicht-klinische religiöse Verwendung von Psychedelika finden. Die Religion hat etwas zu bieten – ein Behältnis, ein Gefäß und eine dokumentierte Geschichte mystischer Erfahrungen.» Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch «God on Psychedelics - Tripping Across the Rubble of Old-Time Religion», Hannacroix: The Apocryphile Press (Kapitel 1 Psychedelic Baptisms).
  1. Interview am 1.2.2022
  2. Interview am 1.3.2022
  3. Vortrag beim Harvard Divinity School Webinar, 3.11.2020
  4. Interview am 17.2.2022
  5. https://faithlead.luthersem.edu/decline/
  6. In Zungen reden - Zungenrede (Glossolalie) - ist ein Begriff aus dem Neuen Testament und wird in der Kirche als besondere Gabe des Heiligen Geists verstanden. Das unverständliche, von Syntax und Begrifflichkeit losgelöste Rezitieren von Gebeten wird nach Ansicht der Gläubigen vom Teufel nicht verstanden (Anm. d. Übersetzers).
  7. https://www.episcopalnewsservice.org/2020/10/16/2019-parochial-reports-show-continued-decline-and-a-dire-future-for-the-episcopal-church/

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