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Cannabissamen im Discounter

Berlin, 10. März 2026 – Der Verkauf von Cannabissamen in Filialen des Discounters Netto Marken-Discount hat eine Debatte über den Umgang mit Cannabis in Deutschland ausgelöst. Seit dem 9. März bietet der Händler in 255 Filialen in Berlin und Nordostdeutschland Samen der Marke „gutmut saatgut“ für den privaten Eigenanbau an. Die Aktion läuft bis zum 14. März.
Hanfsamen
Cannabissamen im Discounter -

Kritik kommt vom Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU). Er warnte, der Verkauf könne den Eindruck erwecken, der heimische Eigenanbau von Cannabis sei gesellschaftliche Normalität. Zudem bestehe die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche in Privathaushalten leichter Zugang zu Cannabis bekämen, da dort keine staatlichen Kontrollen stattfänden.

Der Branchenverband der Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) weist diese Kritik zurück. Verbandspräsident Dirk Heitepriem bezeichnete den Verkauf als „Meilenstein für den Verbraucherschutz und für die Bekämpfung des unregulierten Schwarzmarkts“. Der private Eigenanbau könne Konsumenten vor gefährlichen Streckmitteln schützen und liege damit im Interesse von Gesundheits- und Verbraucherschutz.

Auch BvCW-Geschäftsführer Michael Greif sieht im Verkauf über den Einzelhandel einen Schritt hin zu mehr Regulierung. Statt einer „Politik der Angst“ brauche es eine evidenzbasierte Regulierung mit kontrollierter Qualität, sagte er. Der Samenverkauf im Einzelhandel könne zur Normalisierung beitragen und Kriminalisierung reduzieren.

Rechtlich ist der private Eigenanbau in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Nach § 10 des Cannabisgesetz (KCanG) müssen sowohl selbst angebautes Cannabis als auch daraus hergestellte Produkte für Kinder und Jugendliche unzugänglich aufbewahrt werden. Eine vergleichbare gesetzliche Pflicht gibt es für Alkohol oder Tabak nicht.

Die Nachfrage nach den Samen ist nach Angaben der Branche hoch: In einigen Filialen seien die Produkte bereits am ersten Verkaufstag ausverkauft gewesen. Cannabissamen selbst haben keine berauschende Wirkung; diese entsteht erst durch die Blüten der Pflanze, die zum Konsum erhitzt werden müssen.

Nach Ansicht des Branchenverbands ist ein breiter Zugang zu hochwertigem Saatgut entscheidend, um die Ziele der Cannabisreform zu erreichen – insbesondere die Förderung eines sicheren Eigenanbaus und die Eindämmung illegaler Marktstrukturen. Der Verband spricht sich deshalb für regulierte Verkaufsmodelle im Rahmen wissenschaftlicher Forschungsprojekte aus. Auch Drogenbeauftragter Streeck unterstützt grundsätzlich solche Modellprojekte, bislang fehlt dafür jedoch eine politische Mehrheit in der Bundesregierung.

Website des Branchenverbands

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